Tagesgeld berechnen: Zinsen bei variablem Zinssatz
Ein Tagesgeld hat selten einen Zins für die ganze Anlagedauer. Der Rechner trennt Aktionsphase und Zeit danach, berücksichtigt einen Höchstbetrag und zeigt, welcher Durchschnittszins am Ende tatsächlich herauskommt.
Neukundenzins und Zins nach Ende der Aktion
- Neukundenzins
- erhöhter Zins für Kunden, die in den letzten 6 bis 24 Monaten kein Konto bei der Bank hatten; die Frist steht in den Aktionsbedingungen
- Zinsgarantie
- Zeitraum, in dem der Aktionszins nicht gesenkt wird, meist 3 bis 6 Monate ab Kontoeröffnung oder ab einem Stichtag
- Bestandskundenzins
- Zins nach Ablauf der Garantie, oft weniger als die Hälfte des Aktionszinses
- Variabler Zins
- die Bank darf ihn jederzeit ändern, auch ohne Leitzinsänderung
Die Garantie beginnt bei vielen Banken mit der Kontoeröffnung, nicht mit der ersten Einzahlung. Wer das Konto eröffnet und erst Wochen später Geld überweist, verliert diese Zeit vom Aktionszeitraum. Im Beispiel des Rechners bringt der Aktionszins von 3 % in vier Monaten gut 200 €, die folgenden acht Monate zu 1,5 % ebenfalls rund 200 €. Über das Jahr ergibt das 2,02 % statt der beworbenen 3 %. Für jede Planung länger als die Garantiezeit zählt deshalb der Zins danach, nicht die Werbezahl.
So berechnet die Bank die Zinsen jeden Tag
Grundlage ist das Guthaben am Ende jedes Kalendertags. Eine Überweisung, die am Freitagabend gutgeschrieben wird, verzinst sich ab diesem Tag; eine Abbuchung zählt ab dem Tag der Belastung nicht mehr. Wer kurzfristig Geld vom Tagesgeld auf das Girokonto verschiebt, verliert nur die Zinsen dieser Tage. Die Methode act/365 rechnet mit tatsächlichen Kalendertagen, 30/360 mit pauschalen Monaten; die Bank nennt sie im Preis- und Leistungsverzeichnis.
Monatliche, vierteljährliche oder jährliche Zinsgutschrift
Die täglich berechneten Zinsen sammeln sich auf einem internen Zinskonto und werden erst zum Gutschrifttermin dem Tagesgeld zugeschlagen; erst ab dann tragen sie selbst Zinsen. Direktbanken schreiben häufig monatlich gut, Sparkassen und Filialbanken oft vierteljährlich oder einmal im Jahr. Wer das Konto vor dem Termin auflöst, erhält die aufgelaufenen Zinsen mit der Schlussabrechnung.
| Gutschrift | Zinsen im Jahr | Wirkung |
|---|---|---|
| monatlich | 403,64 € | Zinsen ab dem Folgemonat mitverzinst |
| vierteljährlich | 402,92 € | Zinseszins nur viermal im Jahr |
| jährlich | 400,00 € | kein Zinseszins innerhalb des Jahres |
Der Unterschied liegt bei wenigen Euro pro Jahr. Wichtiger ist der Gutschrifttermin beim Kontowechsel: Wer kurz vor einer vierteljährlichen Gutschrift kündigt, bekommt die Zinsen trotzdem, muss aber auf die Schlussabrechnung warten. Mit jeder Gutschrift zieht die Bank Abgeltungsteuer ab, soweit der Freistellungsauftrag ausgeschöpft ist.
Wenn die Bank den Zins während der Anlage senkt
Tagesgeldzinsen folgen mit einigen Wochen Verzögerung dem Einlagenzins der Europäischen Zentralbank, der seit Juni 2025 bei 2,00 % liegt. Senkt die EZB, ziehen die meisten Banken innerhalb von ein bis zwei Monaten nach; Erhöhungen geben sie häufig langsamer und nur teilweise weiter. Die Bank informiert über das Online-Postfach, eine Zustimmung des Kunden ist nicht nötig. Gegen eine Senkung hilft nur der Wechsel, denn Tagesgeld lässt sich jederzeit ohne Frist abziehen.
Für den Rechner bedeutet das: Der Zins danach ist eine Annahme. Bei Laufzeiten über ein Jahr ist es sinnvoll, ihn eher niedrig anzusetzen und den Fall zu prüfen, in dem er um einen halben bis ganzen Prozentpunkt fällt. Wer Zinssicherheit für eine bestimmte Summe braucht, legt diesen Teil als Festgeld an.
Höchstbetrag: was über der Grenze verzinst wird
Viele Aktionen begrenzen den erhöhten Zins auf einen Betrag zwischen 50.000 € und 500.000 €. Der Teil darüber erhält den Standardzins, der deutlich niedriger liegen kann. Die Grenze passt häufig zur gesetzlichen Einlagensicherung von 100.000 € pro Kunde und Bank. Größere Summen auf mehrere Banken zu verteilen, bringt deshalb in der Regel beides: den vollen Aktionszins und den vollen gesetzlichen Schutz.
Einlagensicherung und Auswahl der Bank
- Gesetzlich geschützt sind 100.000 € pro Kunde und Bank, bei einem Gemeinschaftskonto 100.000 € je Kontoinhaber anteilig. Mehrere Marken derselben Bank zählen als eine Bank.
- Deutsche Privatbanken sind zusätzlich über den Einlagensicherungsfonds des Bankenverbands geschützt, Sparkassen und Volksbanken über ihre Institutssicherung, die die Bank selbst vor einer Insolvenz bewahren soll.
- Banken im EU-Ausland sichern über ihr Heimatland ab. Die Höhe ist gleich, die Belastbarkeit des Fonds hängt von der Finanzkraft des Landes ab.
- Zinsportale bieten Tagesgeld ausländischer Banken über ein zentrales deutsches Konto an; jede Partnerbank wird bei der Einlagensicherung getrennt gezählt.
- Die Kontoeröffnung kostet nichts und wird in der Regel nicht negativ bei der SCHUFA vermerkt; manche Banken stellen eine Anfrage zur Identitätsprüfung.
Tagesgeld oder Festgeld für dieselbe Summe
| Kriterium | Tagesgeld | Festgeld |
|---|---|---|
| Zins | variabel, Aktion meist 3–6 Monate | fest bis zum Laufzeitende |
| Verfügbarkeit | täglich, Überweisung in 1 Bankarbeitstag | erst zum Laufzeitende |
| Ertrag bei 20.000 € über 12 Monate | 403,64 € bei 3 % für 4 Monate, dann 1,5 % | 480,00 € bei 2,4 % fest |
| Aufwand | Wechsel nach jeder Aktion, um den Zins zu halten | einmal anlegen, Fälligkeit notieren |
| Geeignet für | Notgroschen, Geld mit unklarem Termin | Beträge, die sicher ein Jahr und länger liegen |
Ein Festgeld lohnt sich gegenüber dem Tagesgeld, sobald sein Zins über dem erwarteten Durchschnittszins des Tagesgelds liegt. Diesen Durchschnitt liefert der Rechner oben. Wer die Aktion nach Ablauf mitnimmt und zu einer neuen Bank wechselt, kann den Durchschnitt allerdings nahe am Aktionszins halten. Häufig ist eine Aufteilung sinnvoll: der Notgroschen auf Tagesgeld, planbare Beträge auf Festgeld.
Kontowechsel, wenn der Aktionszins endet
- Ende der Zinsgarantie beim Kontoeröffnen im Kalender notieren.
- Zwei bis drei Wochen vorher das neue Konto eröffnen; die Legitimation per Video- oder eID-Verfahren dauert 10 bis 20 Minuten, die Freischaltung einige Tage.
- Freistellungsauftrag bei der alten Bank auf 0 € setzen oder kürzen und bei der neuen Bank stellen; die Summe aller Aufträge darf 1.000 € bzw. 2.000 € nicht übersteigen.
- Guthaben über das Referenzkonto übertragen; ein direkter Übertrag von Tagesgeld zu Tagesgeld zwischen Banken ist nicht möglich.
- Altes Konto erst nach der letzten Zinsgutschrift schließen oder leer stehen lassen, wenn es keine Gebühren kostet.
Der Wechsel kostet einmalig etwa eine Stunde Aufwand. Bei 20.000 € bringt ein Zinsunterschied von 1,5 Prozentpunkten über ein halbes Jahr rund 150 €; bei 5.000 € sind es knapp 40 €. Ab welchem Betrag sich das Zinshopping lohnt, entscheidet also die Summe auf dem Konto.